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Das Sandkastendrama

Ravensburger Moderator

Das Sandkastendrama

 

 

Seit ich Mutter bin, weiß ich wie es ist, seinen Augen nicht zu trauen. Damals, als die damals Einjährige die Plüschtiere mit Schuhcreme eingecremte, weil sie krank waren, zum Beispiel. Oder letztens, als ich die Dame des Hauses dabei erwischte, wie sie, auf dem Esstisch sitzend, die Reste aus unseren Kaffeetassen auf der Tischdecke verteilte - als Teil eines Experimentes, in welcher Geschwindigkeit Flüssigkeit aufgesaugt wird. Nun… man wächst an seinen Aufgaben!

 

Ganz gewaltig gewachsen bin ich erst vorgestern: Da sollte ich das Kind vom Spielplatz abholen. Normalerweise geht sie alleine hin und zurück, aber dieses Mal hatte sie nach eigener Auskunft „zu viel Kram dabei“, um alles tragen zu können. Nichts Böses ahnend machte ich mich auf den Weg. Als ich um die Ecke bog, sah ich eine riesige Torte im Sandkasten. Bei näherem Hinsehen bestand die Torte aus vielen Schichten, die sehr geschickt aufeinander gestapelt waren. Stolz dachte ich bei mir, dass einer Karriere meiner Tochter als hoch dekorierte Konditorin nichts mehr im Wege stünde. Aber halt; die Torte war ja nicht nur hoch, sie war auch noch wirklich kunstvoll in die Form von Puzzleteilen geschnitzt. Ein wahres Meisterwerk!

 

Als wir das Sandspielzeug aus allen Ecken der Sandkiste zusammen suchten, fiel mir auf, dass meine Tochter mich mit dem „Schlechten-Gewissens-Blick“ von der Seite ansah. Ich wusste überhaupt nicht warum. Es war doch wirklich alles rosarot und wunderbar. Bis, ja bis ich in die weiter entfernte Ecke des Sandkastens schlenderte und sie mich auf dem Weg überholte und rief: „Nein, da musst Du nicht hin, das mache ich!“ Da war mir klar, dass etwas faul war. Wenige Minuten später, traute ich, wie oben beschrieben, meinen Augen nicht: Dort im Sand lagen alle 10 nagelneuen Puzzlesortierkästen, die ich mir gekauft hatte. Ich starrte meine Tochter an und fragte mit zitternder Stimme:„WO SIND DIE TEILE?“ Am Abend zuvor hatte ich, nach einer Woche Arbeit, endlich meine 10.000 Teile fertig in die Kästen sortiert. Sie zuckte mit den Schultern. Natürlich sah ich vor meinem inneren Auge einen wilden Berg an Puzzleteilen irgendwo bei uns im Haus herum fliegen.

 

Als Mutter brüllt man ja generell nicht gerne. Schon gar nicht, wenn es jede Menge andere Muttis gibt, die innerhalb von Sekunden vorwurfsvoll schauen und den Kopf schütteln. In fünf Jahren als Mutter ist es mir noch nie so schwer gefallen, ruhig zu bleiben. Vor lauter Verzweiflung und Druck in meinem Kopf, begann ich wie wild mit der kleinen grünen Plastikschaufel meiner Tochter einen riesigen Turm aufzubauen. Ich buddelte, mit wehenden Haaren, ein wirklich tiefes Loch und daneben entstand der Turm. Das muss ausgesehen haben wie ein Golden Retriever am Strand. Als mein Arm begann zu schmerzen und mein Kopf hochrot war, konnte ich aufhören. Meine Tochter heulte völlig irritiert und wir packten den Rest ein.

 

Zuhause angekommen ging ich schnurstracks zu meiner Puzzleecke, um den Schaden zu begutachten. Was ich fand, ließ mich an diesem Tag ein zweites Mal knallrot werden: Frau Tochter hatte pro Puzzlebehälter einen Gefrierbeutel geholt und die Teile fein säuberlich umgeschüttet. Wie peinlich mir diese Spielplatz-Retriever-Szene heute noch ist könnt ihr vielleicht nachfühlen. Meine Frage, warum sie mir nicht gesagt habe, dass die Teile noch sortiert sind, beantwortete sie wahrheitsgemäß mit:

„Du warst so mit Buddeln beschäftigt“ 😊

 

Sandkuchen von der MeisterkonditorinSandkuchen von der Meisterkonditorin

3 Kommentare
Puzzle Experte

🤣Klasse. Aber die Sortierkästen sehen Sandspielzeug auch wirklich zum Verwechseln ähnlich. Sehr kreativ deine Tochter. Ich komme dann wenn sie die Konditorlehre macht und jemand braucht der die Torten probiert. 

Puzzle Fachmann

Au man, Du erlebst ja Sachen 😂🤣

 

Zur großen Torten-Probierrunde komme ich auch 😄

Puzzle Profi

Das ist eine tolle Gabe, Dinge die für etwas Bestimmtes gedacht sind um zu funktionieren für was ganz Anderes. Wie Canberra schon sagt sehr Kreativ!

 

Ich hab auch so eine ähnliche Geschichte an die musste ich gerade denken als ich den Satz las: "Wo sind meine Teile"?

Es ist schon ein paar Monate her... Ich war mit meinem What if Puzzle beschäftig und meine Mutter hat sich auf dem anderen Ende des Tisches an ein3000Teile Afrikanische Tierwelt Puzzle rangemacht.

Ich hatte den Rand fertig und ein paar Haufen aussortierter Teile um das Puzzle umzu liegen,-die restlichen Teile im Originalen geschlossenen Karton.

Nach 2Tagen wollte ich weiter machen und stelle fest ,nur noch der Kartondeckel da, hab das ganze Zimmer nach meinen Teilen gesucht und nicht gefunden...

Dann bin ich zu meiner Mutter:

"Wo sind meine Teile"???Die Antwort:"Hä was denn wieso"!?

Nach einiger Zeit war es klar... meine Mutter sagte:" ich hab den Karton wohl für meine Teile gebraucht,-sind doch sooo viele".

Ich war Tierisch sauer! Aber naja soll sie den Schaden wieder beheben(hatte mich schon drauf eingestellt mein Puzzle erst fertig stellen zu können, wenn das Andere fertig ist.

Aber ein Glück...meine Puzzleteile waren von hinten Grün Muttis Blau!