Digital Detox in Krisenzeiten

Ravensburger Moderator

Digital Detox in Krisenzeiten

 

 

Im Homeoffice hat man ja schon irgendwie mehr Zeit, oder?  Sowohl meine Schwester als auch eine Nachbarin, sparen sich täglich über eine Stunde! Sie jubeln, weil weder Kleider ausgewählt werden müssen, noch gibt es Menschen die das Publikum für Frisur oder Make Up bilden.

Für mich ist die gewonnene Zeit eher ein Problem. Ich fülle sie nämlich mit permanentem Nachrichtenkonsum auf Facebook und Co. Was das für fatale Folgen fürs Gemüt haben kann, in den Zeiten der weltweiten Krise, die uns alle völlig überrennt, muss ich Euch wahrscheinlich nicht sagen. Gestern war ich schon mittags so weit, dass die Nerven völlig blank lagen! Die sich völlig widersprechenden Einschätzungen, von 10 verschiedenen Virologen, über die Eigenschaften des Erregers haben mich fertig gemacht. Den Tränen nahe rief ich meine alte Tante an, die war völlig aufgelöst weil eine dringend benötigte OP verschoben war. Was soll ich Euch sagen? Ich war so fertig mit den Nerven, wegen der ganzen trüben Aussichten, dass mir die guten Worte für die liebe Tante fehlten.

Das ist großer Mist, oder? Neben der Einhaltung der wichtigen Verhaltensregeln, wie zuhause bleiben, Hände waschen, Abstand halten usw. haben wir doch derzeit nur eine Aufgabe! Für einander da zu sein. Am Telefon, im Internet, per Skype oder Postkarte. Ein Ohr zu haben, für die anderen, die zu leiden haben. Weil Ohren kann man sich berührungsfrei schenken und die sind so wichtig!

Ich habe gestern beschlossen, dass ich etwas für meine Nerven tun muss. Nachrichten schaue ich abends im TV und den Tag über lese ich nichts mehr. Bringt ja sowieso nichts. Dafür werde ich mir angewöhnen, die eingesparte Zeit mit Puzzeln zu verbringen. Absolute Abschottung von der Außenwelt! Digital Detox… mein Raum für mich. Gleich morgens eine Stunde und nach der Arbeit noch einmal.

Zusätzlich nutze ich die gewonnene Zeit, um mich verstärkt um Menschen zu kümmern.

Ich schreibe Postkarten oder WhatsApp Nachrichten, ich rufe alleinstehende Freunde an, ich führe den Hund meiner alten Nachbarin spazieren. Wer weiß, wie lange wir diesen Zustand noch aushalten müssen? Wer weiß schon, ob nicht alles noch viel schlimmer wird? Da müssen wir doch die Ruhe bewahren.

Für Euch, liebe Mitpuzzler, habe ich gestern etwas gebastelt. Eine dicke Umarmung! Bleibt mir gesund, geht nur raus, wenn es unbedingt sein muss und macht ein schönes Puzzle, wenn Euch langweilig ist. Denen von Euch die in den sogenannten „systemrelevanten“ Jobs arbeiten, schicke ich eine besondere Umarmung obendrein!

 

 

 

Umarmung.jpg

 

 

 

 

4 Kommentare
Puzzle Experte

Wir sind auch gerade dabei an meine Verwandten  Osterpost zu schreiben. Die meisten meiner Tanten sind älter und leben in Pflegeheimen wo sie im Moment auch keinen Besuch empfangen dürfen. Die freuen sich riesig über eine Grußkarte. Meine Tochter bastelt oder malt noch was und wir drucken Fotos aus und schicken sie mit. 

 

Ich schaue tagsüber auch keine Nachrichtensendungen mehr an. Erstens macht es mich auch fertig und ich will vermeiden dass meine Tochter zu viel mitbekommt. Über 300 Tote am Tag in Italien. Das versteht auch ein 12jährige dass das ein Grund zur Panik ist. Versuche einen einigermaßen normalen Tagesrytmus beizubehalten. Während meine Tochter ausschläft puzzle ich schonmal ein bisschen. Solange sie dann im Bad verschwindet gehe ich wenn nötig kurz einkaufen. Danach werden Schulaufgaben gemacht und nach dem Essen malt, puzzelt, bastelt sie was und ich erledige die Hausarbeit. Danach machen wir was zusammen bis  wir nach dem Abendessen es uns alle mit einem Buch oder Film auf dem Sofa gemütlich machen. 

Gestern waren wir mal in der Bücherei. Als Mitarbeiterin habe ich einen Schlüssel und alleine dürfen wir uns dort ja aufhalten. Also hat sie sich neuen Lesestoff ausgesucht und ich habe noch ein paar neue Bücher eingestellt die wir kurz vor der Krise noch bestellt hatten. Das hat so gut getan. Mal nicht daheim rumsitzen und mal was tun was mir wahnsinnigen Spaß macht. Meine Tochter fand es auch toll. Hat fleißig beim Stempeln, Rückenschild anbringen und einbinden geholfen. 

 

Arbeitet denn jemand von Euch im Pflegebereich und hat einen Tipp wie man den Menschen dort eine Freude bereiten kann?

Bücher spenden (keine Ahnung ob das wegen eventueller Keime erlaubt wäre) oder was würde die Menschen dort freuen und aufmuntern. Würde gerne was tun da auch das Seniorenzentrum gleich bei uns um die Ecke liegt mir fällt aber nicht wirklich was

tolles ein. Vielleicht habt ihr ja Ideen?

 

Auch von mir eine dicke Umarmung an alle. Haltet durch. Wir schaffen das. 

 

 

Puzzle Fachmann

Tja, für mich fühlt es sich gerade auch ziemlich komisch an, und der Digital Detox klappt auch nicht. Ich gehe ja immer noch zur Arbeit, von daher hat sich mein täglicher Rhythmus eigentlich nicht allzu dramatisch geändert (außer, daß die abendlichen Freizeitveranstaltungen wegfallen, dafür puzzele ich mehr).

 

Aber als Übersprungshandlung schaue ich doch immer wieder in die Nachrichten rein, von daher schaffe ich den Digital Detox nicht. Und irgendwie will ich auch wissen, was los ist.

 

Allerdings finde ich im Internet, gerade auf Facebook, auch immer wieder Humor, der es wieder leichter macht.

Z.B. Hier,  den gibt's auch außerhalb von Facebook. Lach-Alarm, ich hab mich komplett weggeschmissen 😂

 

In diesem Sinne umarme ich Euch auch ganz fest 🤗

 

[edit vom 22.11.2020: bißchen was an Infos über mich raus]

Puzzle Ass

Juhu, 

 

mein Mann arbeitet im Krankenhaus , ich bin in der Notfallrettung, ich könnte euch Geschichten erzählen, das würdet ihr mir nicht glauben wofür weitaus fahren müssen . Momentan ist es auf meiner Arbeit sehr ruhig geworden. Sonst haben wir täglich 6-12 Einsatz, momentan sind es nur 5-8 Einsätze. 
Mein Schatz hofft das kein Corona-Fall auf die ITS ( Intensivstation) kommt. Er steht momentan unter Dauerstrom. Er hat auf Arbeit damit zu kämpfen, das Desinfektionsmittel geklaut wird und und und...... 

 

Nach der Arbeit zuhause bin, ist die Familie an erster Stelle . Und falle dann aber tot ins Bett... 

 

@AnkeBrinkmann 

Die älteren Menschen freuen sich über vieles. Ruf einfach mal in den Altenheim an , manchmal sind es auch Dingen aus der Jugend der Bewohner, des Heimes. Ich fand es immer faszinierend , wenn ich etwas auf den Tisch gelegt habe und es wurde erzählt . Und Zack waren die Stunden rum wie im Flug. 

Puzzle Ass

Bei mir gibt es noch keinen Lagerkoller. Aber hier herrscht auch Ausnahmezustand zum Ausnahmezustand.

Mein Mann ist im Krankenhaus (seit 1 1/2 Wochen) aber wegen einer Divertikulitis (Darm) und nicht Corona. Am Mittwoch ist er operiert worden und es dauert nun noch, bis Dienstag oder Mittwoch, bis er nach Hause kommt.

Also bin ich mit den Kindern und den mehr oder minder pflegebedürftigen Schwiegereltern allein im Haus.

Meine Kinder meistern das ganze toll. Sie haben aber auch sich und lieben sich zum Glück innig. Und wir haben einen Garten. Der ist Gold wert! Jetzt gerade mehr denn je. Ab und an machen wir aber auch einen Spaziergang.

Ansonsten muss ich mich um Haushalt, Einkauf usw. kümmern. Zweimal die Woche gehe ich weiterhin brav zur Lymphdrainage. Und eigentlich muss ich auch noch arbeiten. Aber meine Kollegen meinten, wegen meiner Vorerkrankung bin ich gefährdet und ich solle zu Hause bleiben. Dennoch mache ich ja von hier auch was.

Ob ich wirklich zur Risikogruppe gehöre? Keine Ahnung. Da scheiden sich de Geister. Frag 5 verschiedene Ärzte und du bekommst 7 verschiedene Antworten...

 

Ein Vorteil des ganzen: Ich komme mehr zu Puzzeln, weil ich einfach abends mehr Ruhe habe.

 

Außerdem nutze ich viel mehr das Telefon und spreche mit allen möglichen Leuten, die ich ewig nicht gesprochen habe. So kann man doch tatsächlich mal ein paar soziale Kontakte pflegen.

 

Danke, @AnkeBrinkmann für die tolle Umarmung! Ich gebe sie gerne zurück. Auch an alle anderen!